Stell dir zwei kleine Figuren vor.

Sie sehen gleich aus – aber über ihren Köpfen schwebt eine Akkuanzeige.

Bei der einen ist sie voll. Die Figur lächelt.

Bei der anderen blinkt nur noch ein winziger Rest. Sie sieht erschöpft aus.

Eigentlich ist sofort klar, was passiert: Die erste Figur kann handeln, denken, reagieren – und sie kann aktiv die Richtung bestimmen. Die zweite funktioniert nur noch irgendwie. Sie läuft quasi auf der letzten Rille und kann gar nicht mehr bewusst in ihr Leben eingreifen. Sie hat gar nicht mehr genug Ressourcen dazu und steht kurz vor dem Stillstand.

Und jetzt eine ehrliche Frage:

Welche dieser beiden Figuren sind wir Frauen im Alltag häufiger?

Wo würdest du dich zurzeit einordnen? Ganz spontan – jetzt in diesem Moment.

Unser Akku – und der Umgang damit

Unser Handy lassen wir nie bis zum letzten Prozent laufen.

Und wir würden gar nicht auf die Idee kommen, so das Haus zu verlassen. Wir denken bereits frühzeitig darüber nach, dass der Akku des Handys womöglich leer laufen könnte und kümmern uns rechtzeitig darum, ihn aufzuladen. Es ist uns wichtig und soll schließlich immer funktionieren, wenn wir es brauchen.

Unsere Geräte, unsere Termine, unsere Familienorganisation – alles bekommt Aufmerksamkeit.

Nur die eine Sache lassen viele Frauen viel zu lange leer laufen oder vergessen überhaupt darauf zu achten:

unseren eigenen Akku.

Ergo nehmen wir uns selbst nicht wichtig genug – oder wie siehst du das?

Warum das so häufig passiert

Verantwortung zu übernehmen gehört für die meisten von uns von klein auf wie selbstverständlich dazu.

Wir übernehmen Verantwortung für unsere Familienmitglieder, für Beziehungen, Freunde, für Stimmung, für Organisation allgemein. Wir kümmern uns einfach darum, dass alles läuft.

Und das liegt nicht etwa an unserer genetischen Ausstattung – diese hat damit nichts zu tun. Es ist schlicht und ergreifend anerzogen und liegt an dem Bild von Mädchen, Frauen und Müttern, wie es angeblich selbstverständlich ist und wie es sein sollte: am besten keine eigenen Bedürfnisse zu haben, immer lächelnd für alle da sein. Alles geben. Aufopferungsvoll sein.

Nur das Kümmern um eine ganz wichtige Person taucht in dieser Aufstellung erstaunlich selten auf:

wir selbst.

Warum eigentlich nicht?

Ich denke, unbewusst liegen diese ganzen Erwartungen immer noch auf unseren Schultern. Denn obwohl sich das Bewusstsein darüber in den letzten Jahren schon in breitere Teile unserer Gesellschaft ausgebreitet hat, spricht der gelebte Alltag der meisten Frauen eine deutlich andere Sprache.

Die Gewohnheit, Verantwortung zu übernehmen – und natürlich auch der Wunsch, es allen recht zu machen – sitzen meist sehr tief in uns drin.

Und irgendwie fühlt es sich ja auch schön an, wichtig zu sein und für andere da zu sein.

Deshalb kann dieses System oft sehr lange funktionieren.

In jüngeren Jahren hinterfragen viele von uns das noch gar nicht so sehr. Doch irgendwann wird immer mehr in unseren Rucksack gelegt – Verantwortung, Erwartungen, Aufgaben.

Und irgendwann wird dieser Rucksack einfach zu schwer.

Dann beginnen wir zu hinterfragen.

Wenn der Akku langsam leer läuft

Das passiert selten plötzlich.

Unser Akku wird nicht von heute auf morgen leer.

Generell beginnt es mit vielen kleinen Dingen, bevor aus einem leisen Impuls deutliche Gedanken werden. Und davon kommt über die Jahre ganz schön viel zusammen.

Warum übernehmen wir noch mit einem „gerne“ zusätzliche Aufgaben und kommen Bitten um kleine Gefälligkeiten nach, obwohl wir uns im Moment der Zusage schon wieder darüber ärgern?

Wir sind uns unserer Grenzen oft gar nicht wirklich bewusst – und trauen uns lange nicht, sie klar zu äußern.

Solange wir funktionieren, haben wir weniger Konflikte. Wir gelten als hilfsbereit, zuverlässig und freundlich. Typisch weibliche Attribute eben.

Oft machen wir lieber noch einmal „schnell“ etwas extra nebenbei, damit wir die vermeintliche Ablehnung oder Diskussionen im Falle eines Nein nicht aushalten müssen.

Wir passen uns ständig an, wollen nicht auffallen, nicht als anstrengend oder gar seltsam gelten.

Und so übergehen wir unsere eigenen Wünsche, Bedürfnisse und inneren „Red Flags“ immer wieder – bis es irgendwann wirklich nicht mehr geht.

Warum Selbstfürsorge nichts mit Egoismus zu tun hat

Wie viele von uns haben schon als Mädchen gelernt, dass wir uns zurücknehmen müssen – aus Rücksicht auf andere.

Möglichst unauffällig und leise allen Erwartungen nachkommen. Nicht jammern. Nicht zu anstrengend werden. Lasten tragen, Haltung bewahren und alles still und zuverlässig managen.

Ich bin der Meinung: Wir sollten definitiv nichts tun, was dauerhaft unsere physische oder mentale Gesundheit kaputt machen kann.

Es heißt so schön: Sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen ist egoistisch.

Wirklich?

Ich finde, das genaue Gegenteil ist der Fall.

Niemand kann dauerhaft für andere da sein, wenn er nicht gut für sich selbst sorgt!

Selbstfürsorge ist kein Luxus.

Sie ist notwendig.

Und eigentlich selbstverständlich.

Niemand findet es seltsam oder „egoistisch“, das Auto zu warten, das Haus zu renovieren, technische Geräte zu laden, auszumisten und unsere Umgebung in einem ordentlichen Zustand zu halten. 

Warum also sollte es also irgendwie nicht in Ordnung sein, uns um das wichtigste zu kümmern, was wir haben? 

Nämlich um uns selbst.

Ein kleiner Perspektivwechsel

Vielleicht beginnt Veränderung genau dort, wo wir aufhören zu warten, bis der Akku ganz leer ist.

Wo wir anfangen, uns selbst genauso ernst zu nehmen wie alles andere in unserem Leben.

Nicht laut, nicht dramatisch. Aber ab jetzt.

Schritt für Schritt.

Wieder zurück zu uns selbst. Und dem Wissen, was wir wirklich wollen und brauchen.

Wenn du dich hier wiedererkannt hast

Falls du beim Lesen hin und wieder gedacht hast:

„So habe ich mich auch schon oft gefühlt.“

Dann bist du damit nicht allein.

Viele Frauen merken irgendwann, dass sie sich selbst zu lange hinten angestellt haben.

Und genau dort kann Veränderung beginnen.

Wenn du dich in diesen Gedanken wiederfindest, hier erfährst du mehr über meine Arbeit.

Leise Heldin
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