Ein Abend an einem ganz normalen Wochentag.
Eigentlich ist der Tag geschafft. Zumindest offiziell. Wie so oft hast du es irgendwie hinbekommen,
die wichtigsten Dinge zu erledigen. Du hast den Spagat zwischen Arbeit, Familie, Kind, Terminen,
Hobbys und Organisation irgendwie gehalten – und nebenbei all die tausend kleinen Handgriffe
erledigt, die ein normaler Alltag so nebenbei verlangt.
Das Nötigste ist aufgeräumt, vielleicht läuft noch eine Waschmaschine, alle sind versorgt, viele
Nachrichten sind beantwortet, Termine wurden koordiniert, Kleinigkeiten eingesammelt, Gedanken
geparkt und mindestens drei Dinge auf morgen verschoben.
Und vermutlich hast du mehrmals etwas gesucht, das nicht an dem Ort lag, an dem es laut innerem
Ordnungssystem eindeutig hätte liegen müssen.
Jetzt wäre eigentlich Ruhe.
Aber in dir ist keine Ruhe.
Dein Kopf arbeitet einfach weiter.
Nicht unbedingt laut nach außen. Niemand sieht es. Vielleicht sitzt du einfach nur auf dem Sofa,
stehst in der Küche oder gehst noch einmal durch den Flur, ohne genau zu wissen, wo du jetzt
eigentlich gerade hin wolltest, und denkst: Jetzt könnte ich eigentlich abschalten.
Nur passiert genau das nicht.
Dein Körper ist müde. Vielleicht merkst du das jetzt erst richtig, weil du es tagsüber immer wieder
weggeschoben hast. Da war keine Zeit, kein Raum, kein passender Moment. Also hast du
weitergemacht.
Und jetzt, wo es kurz stiller wird, kommt diese Müdigkeit mit voller Wucht.
Dein Körper ist müde. Dein Kopf ist immer noch voll. Und irgendwo in dir ist dieses diffuse
Gefühl: Ich habe doch heute gar nichts Außergewöhnliches gemacht. Das machen doch tausende
andere Frauen auch jeden Tag. Warum fühle ich mich dann so fertig?
Genau da beginnt ein wichtiger Unterschied.
Denn vielleicht liegt der Unterschied nicht darin, wie viel du machst.
Sondern darin, was in dir zusätzlich mitläuft, während du es machst.
Vielleicht bist du erschöpft, weil du viel mehr innerlich verarbeitest, als von außen sichtbar ist.
Aber sind nicht alle erschöpft?
Natürlich ist Alltag anstrengend.
Familie, Beruf, Haushalt, Termine, Beziehungen, Kinder, Organisation, Papierkram, Wäsche, Essen,
Schulsachen, Arzttermine, Geburtstagsgeschenke, Nachrichten und all die Kleinigkeiten, die nie
lange klein bleiben – das alles ist viel.
Und ja: Viele Frauen tragen in diesem Bereich noch immer einen großen Teil der Verantwortung.
Nicht nur sichtbar, sondern auch im Kopf. Wer muss wann wohin? Was fehlt noch? Was muss
besorgt werden? Wer braucht gerade was? Was darf auf keinen Fall vergessen werden?
Das allein kann erschöpfen. Sehr sogar.
Es geht also nicht darum, Erschöpfung gegeneinander aufzurechnen oder zu sagen: Die eine
Erschöpfung zählt mehr als die andere.
Das ist nicht der Punkt.
Es geht um etwas anderes.
Bei manchen Frauen kommt neben dieser ganz realen Alltagsbelastung noch eine zweite Ebene
dazu. Eine Ebene, die oft viel schwerer zu erklären ist.
Nicht nur die Menge der Aufgaben erschöpft sie. Sondern auch die Art, wie sie durch diese
Aufgaben hindurchgehen.
Sie nehmen mehr wahr.
Aus einem einzigen Gedanken entstehen in ihrem Kopf oft sofort mehrere Möglichkeiten,
Abzweigungen und Folgen – und während andere noch bei der Ausgangsfrage sind, ist sie innerlich
längst durch drei Szenarien gelaufen.
Sie spüren Stimmungen und hören Zwischentöne.
Sie merken sofort, wenn irgendwo Spannung entsteht.
Sie passen sich an, oft bevor sie überhaupt bewusst merken, dass sie sich anpassen.
Sie versuchen, niemandem zu viel zu sein.
Sie fangen auf, gleichen aus, sortieren, planen, regulieren.
Und während von außen vielleicht nur ein normaler voller Tag zu sehen ist, läuft innen ein zweites
Programm mit.
Ein sehr fleißiges.
Ein sehr anstrengendes.
Und leider eins, das selten Feierabend macht.
Die unsichtbare Zusatzarbeit
Vielleicht bist du nicht einfach „ein bisschen empfindlicher“.
Vielleicht arbeitet dein inneres System tatsächlich mehr.
Du kommst in einen Raum und merkst sofort, ob die Stimmung gekippt ist. Du hörst aus einem Satz
nicht nur die Worte, sondern auch den Unterton. Du nimmst wahr, wenn jemand enttäuscht, gereizt
oder innerlich abwesend ist – manchmal bevor diese Person es selbst ausspricht.
Und dann beginnt in dir oft direkt die nächste Schleife.
Muss ich etwas sagen?
Habe ich etwas falsch gemacht?
Sollte ich nachfragen?
Lieber abwarten?
Wird es unangenehm, wenn ich jetzt ehrlich bin?
Wie bleibe ich freundlich, ohne mich komplett zu verbiegen?
Das kann nach außen wie Aufmerksamkeit wirken. Wie Empathie. Wie Verantwortungsgefühl.
Und das ist es auch.
Aber es kostet.
Denn du bist nicht nur in deinem eigenen Erleben unterwegs. Du bist innerlich oft gleichzeitig bei
allen anderen mit.
Was braucht mein Kind?
Ist mein Partner genervt?
Habe ich etwas vergessen?
War meine Antwort eben zu direkt?
Muss ich mich noch melden?
Wie verhindere ich, dass die Stimmung gleich kippt?
Warum habe ich jetzt schon wieder ein schlechtes Gewissen?
Und irgendwo dazwischen wärst eigentlich auch noch du.
Mit Hunger. Müdigkeit. Grenzen. Bedürfnissen. Gedanken. Wünschen.
Nur kommen die oft zuletzt.
Oder gar nicht.
Wenn dein Kopf kein Notizbuch ist, sondern ein
Gruppenmeeting
Manchmal wird Erschöpfung so beschrieben, als wäre im Kopf einfach nur eine lange To-do-Liste.
Aber vielleicht trifft es das bei dir gar nicht.
Vielleicht fühlt sich dein Kopf eher an wie ein riesiges Gruppenmeeting.
Alle reden gleichzeitig.
Niemand hält sich an die Tagesordnung. Irgendwo läuft Musik.
Im Hintergrund sind 17 Tabs offen.
Eine Person ruft ständig: „Das dürfen wir auch nicht vergessen!“
Eine andere fragt: „Was ist eigentlich mit nächster Woche?“
Und irgendjemand diskutiert seit zwanzig Minuten darüber, ob du vor drei Tagen in einer Nachricht
zu knapp geantwortet hast.
Währenddessen versuchst du nach außen ganz normal weiterzumachen.
Freundlich bleiben.
Antworten geben.
Essen vorbereiten.
Termine im Blick behalten.
Dinge erledigen.
Nicht ausrasten, weil schon wieder jemand „Mama?“ ruft, obwohl du gerade versucht hast, einen
Gedanken zu Ende zu denken.
Das ist nicht einfach nur „viel los“.
Das ist inneres Dauerfeuer.
Und das sieht niemand.
Warum früher vieles noch irgendwie ging
Vielleicht fragst du dich manchmal: Warum ging das früher besser?
Früher hast du doch auch viel geschafft. Vielleicht Ausbildung, Beruf, Beziehung, Wohnung, Alltag,
Pläne, Verantwortung. Vielleicht warst du sogar die, die besonders zuverlässig war. Die, die Dinge
geregelt bekommen hat. Die, die nicht so schnell aufgegeben hat.
Und jetzt?
Jetzt bringen dich Kleinigkeiten aus dem Tritt.
Jetzt ist ein voller Tag nicht einfach nur voll, sondern zu viel.
Jetzt reicht ein unerwarteter Anruf, ein geänderter Termin, ein Streit, ein lautes Geräusch oder ein
zusätzlicher Gedanke, und innerlich kippt etwas.
Das fühlt sich schnell an wie persönliches Versagen.
Aber genau das ist es nicht.
Wahrscheinlich hast du auch früher nicht mühelos funktioniert. Es war dir nur nicht bewusst.
Und vielleicht konntest du es einfach besser kompensieren als heute.
Solange du mehr Rückzug hattest.
Solange du deinen Alltag stärker selbst steuern konntest.
Solange weniger Menschen dauerhaft etwas von dir brauchten.
Solange du nach einem anstrengenden Tag wirklich abtauchen konntest.
Solange deine Pausen noch eher dir gehört haben.
Mit Kindern, Familie, mehr Verantwortung, weniger Pausen, mehr Lärm, mehr Unterbrechungen
und oft auch hormonellen Veränderungen ab Mitte dreißig oder später wird meist sicht- und
spürbarer, was eigentlich immer schon da war.
Die Strategien, die früher getragen haben, greifen dann nicht mehr genauso.
Nicht, weil du plötzlich falsch bist, schwächer geworden bist oder dich einfach nur mehr
zusammenreißen müsstest.
Sondern weil sich die Bedingungen verändert haben.
Früher gab es vielleicht auch volle Tage und Druck. Aber oft gab es danach eher die Möglichkeit,
wieder wirklich aufzutanken.
Heute ist vieles in deinem Alltag schneller, lauter, hektischer und deutlich weniger selbstbestimmt.
Dadurch reicht auch die alte Art, das alles zu kompensieren, irgendwann nicht mehr aus, um alle
Bälle gleichzeitig in der Luft zu halten.
Jedenfalls nicht, ohne dass es dich immer mehr Kraft kostet.
Wenn selbst einfache Dinge schwer werden
Was echt fies sein kann: Von außen wirken manche Dinge so einfach.
Essen machen.
Eine Mail beantworten.
Einen Termin vereinbaren.
Kurz aufräumen.
Schnell duschen.
Mal eben etwas überweisen.
Noch schnell etwas anfangen.
Dieses „mal eben kurz“ fühlt sich für dich manchmal an wie eine Frechheit.
Denn für manche Menschen ist nicht die Aufgabe selbst das Anstrengende, sondern alles, was
innerlich passieren muss, bevor sie überhaupt ins Tun kommen.
Anfangen.
Umschalten.
Priorisieren.
Dranbleiben.
Nicht abgelenkt werden.
Zeit realistisch einschätzen.
Den Körper mitbekommen.
Merken, wann eine Pause nötig ist.
Wieder zurückfinden, wenn etwas dazwischenkommt.
Vielleicht kennst du dieses Hin- und Hergerissensein: Du brauchst eigentlich Routinen, weil sie dir
Halt geben würden. Gleichzeitig machen dich zu starre Routinen innerlich wahnsinnig oder
langweilen dein Gehirn so sehr, dass es gar nicht richtig anspringt.
Dann funktionieren Dinge manchmal vor allem, wenn Druck da ist. Oder wenn sie für andere sind.
Oder wenn sie dringend genug werden.
Für dich selbst dagegen bleibt erstaunlich wenig übrig.
Du erledigst etwas für andere, aber vergisst zu essen.
Du ziehst ein Projekt durch, aber übergehst deinen Körper.
Du bist im Tun, im Denken, im Organisieren – und merkst erst Stunden später: Moment. Ich habe
mich selbst komplett vergessen.
Nicht, weil du dich absichtlich schlecht behandelst.
Sondern weil deine eigenen Signale im inneren Gruppenmeeting manchmal einfach überstimmt
werden.
Zwei Tage Ausschlafen reichen dann nicht
Normale Müdigkeit ist: Ich hatte viel zu tun, ich ruhe mich aus, dann geht es wieder.
Diese tiefere Erschöpfung fühlt sich anders an.
Du schläfst vielleicht, aber wachst nicht wirklich erholt auf.
Du hast kurz frei, aber dein Kopf bleibt voll.
Du nimmst dir Pause vor, aber innerlich arbeitet es weiter.
Du sitzt still, aber dein System ist noch im Anspannungs- oder Alarmmodus.
Dann reicht es nicht, nur einmal früh ins Bett zu gehen.
Natürlich sind Schlaf, Essen, Bewegung, Ruhe und Pausen wichtig. Sehr sogar. Ohne diese
Grundlagen wird alles schwerer.
Aber wenn die Ursache tiefer liegt, reicht Erholung allein oft nicht.
Denn dann geht es nicht nur darum, den Akku wieder aufzuladen.
Dann geht es auch darum, zu verstehen, warum er ständig so schnell leer wird.
Was läuft da im Hintergrund?
Was nimmst du alles auf?
Wo passt du dich automatisch an?
Welche Bedürfnisse übergehst du?
Welche Rolle spielst du so lange, dass du sie kaum noch bemerkst?
Was kostet dich mehr Kraft, als du dir selbst bisher zugestanden hast?
Das sind keine kleinen Fragen.
Aber sie können ein Anfang sein.
Vielleicht bist du nicht weniger belastbar
Wahrscheinlich bist du gar nicht weniger belastbar als alle anderen.
In dir läuft einfach viel mehr ab, als man von außen sehen kann.
Denn du hast gelernt, dich zusammenzureißen, bevor du überhaupt merkst, dass etwas zu viel ist.
Vielleicht hast du sehr lange funktioniert, weil du musstest, weil andere sich auf dich verlassen
haben, weil du niemanden enttäuschen wolltest oder weil du selbst dachtest: Das muss doch gehen.
Mit der Zeit hast du dich so sehr daran gewöhnt, dich anzupassen, dass du gar nicht mehr genau
weißt, wo Anpassung beginnt und wo du selbst aufhörst.
Und vielleicht ist genau deshalb der erste Schritt nicht, dich noch besser zu organisieren.
Nicht noch ein perfekteres System.
Nicht noch eine App.
Nicht noch ein Plan, der eh nur funktionieren würde, wenn du ein völlig anderer Mensch wärst.
Sondern erst einmal wahrnehmen.
Was passiert da eigentlich in mir?
Was brauche ich wirklich?
Was ist meins und was trage ich nur mit?
Wo bin ich erschöpft, weil ich wirklich zu viel tue?
Und wo bin ich erschöpft, weil ich die ganze Zeit versuche, passend zu sein?
Der erste Schritt ist nicht Selbstoptimierung
Viele Frauen beschimpfen sich innerlich, wenn sie merken, dass sie nicht mehr können.
Ich bin zu empfindlich.
Ich bin undiszipliniert.
Ich kriege das nicht hin.
Andere schaffen das doch auch.
Ich müsste mich einfach besser zusammenreißen.
Aber diese Sätze helfen nicht.
Sie machen nur noch enger.
Du brauchst nicht noch mehr Druck. Viel hilfreicher ist am Anfang ein freundlicherer und klarerer
Zugang zu dir selbst.
Einen Moment, in dem du nicht sofort funktionieren musst.
Einen Raum, in dem nicht direkt die nächste Lösung auf dich wartet.
Eine Möglichkeit, erst einmal zu merken, was überhaupt los ist.
Denn bevor du wirklich verändern kannst, wie du lebst, musst du oft erst wieder spüren, wie du
eigentlich bist.
Nicht als Rolle.
Nicht als Zuständige.
Nicht als die, die alles irgendwie hinbekommt.
Sondern als Mensch mit eigenem Tempo, eigenen Grenzen und Bedürfnissen.
Ein geschützter Moment kann ein Anfang sein
Wenn du bis hierher gelesen hast, haben dich bestimmt manche Stellen angesprochen.
Nicht, weil alles exakt auf dich zutreffen muss.
Sondern vielleicht, weil du dieses Grundgefühl kennst: Ich schaffe viel, aber es kostet mich mehr,
als andere ahnen. Und manchmal mehr, als ich mir selbst eingestehe.
Wenn du merkst, dass du dich im vielen Funktionieren kaum noch hörst, kann ein geschützter
Moment ein Anfang sein.
Nicht, um sofort dein ganzes Leben zu lösen.
Nicht, um dich in eine Schublade zu stecken.
Nicht, um dich noch besser zu optimieren.
Sondern um wieder wahrzunehmen, was in dir längst da ist.
Aus diesem Gedanken heraus ist mein Einstiegsangebot „Deine Stunde“ entstanden: eine Online-
Stunde mit geführter Entspannung, Reflexionsfragen und persönlichen Stichpunkten im Anschluss.
Ein Anfang.
Nicht laut.
Nicht perfekt.
Aber vielleicht genau der Moment, in dem du wieder anfängst, dich selbst ernster zu nehmen.
Wenn du dich hier wiedererkennst und dir Begleitung auf deinem Weg wünschst,
findest du hier alle Informationen zur Zusammenarbeit.
Oder wir lernen uns in einem unverbindlichen Kennenlerngespräch kennen.